Mayan Encounter: Coba - Pac Chen, 2003

Diese Tour im September 2003 wurde über eine Agentur des Reiseveranstalters TUI gebucht und durch den örtlichen Veranstalter Alltournative mit deutschsprachiger Tourleitung durchgeführt. Es solte aber etwas völlig anderes werden, als die üblichen Pauschaltouristenausflüge...

Coba

Coba ist eine der Maya-Ausgrabungsstätten, die tief im Dschungel liegen, nur wenig erforscht sind und auch nur in Teilen freigelegt und rekonstruiert wurden. Coba ist auch das erste Ziel auf dieser Tour gewesen. Bevor es ins Abenteuer geht, also erst einmal etwas Kultur. Doch bereits Coba sollte sich als Abenteuer herausstellen. Aber besser der Reihe nach:

Es begann ganz harmlos: Nach dem Einsammeln an den Hotels mit Kleinbussen durch Alltournative steuerten wir Coba an. Ausgehend von der Küste bei Tulum erreicht man Coba nach einer Autofahrt von gut einer Stunde in das Landesinnere. Mit jedem Kilometer scheinen die Straßen schlechter zu werden und die Federung der Fahrzeuge einem immer größer werdenden Test unterzogen zu werden. Die Tourleiterin nannte diese Schüttelpartie "Mayamassage".

Kurz vor der Ausgrabungsstätte von Coba liegt ein See, in dem 60 Krokodile leben. Ein Steg führt in den See, davor befindet sich ein Schild, dass man hier mit den Krokodilen baden könne. Da dies nicht Bestandteil der Tour war, wies uns die Tourleiterin pointiert darauf hin, daß man dies aber für einen Aufpreis von 50 Peso (Vorkasse) und der Unterzeichnung seines Testamentes gerne machen könne. Natürlich verzichteten alle Teilnehmer dankend.

Die ersten Ausgrabungen sind nur wenige Schritte vom Eingangsbereich entfernt. Bis zur großen, 42 Meter hohen Pyramide, ist ein Weg von gut zwei Kilometern durch den Dschungel zurückzulegen. Dies kann wahlweise zu Fuß, per Leihfahrrad oder mit der "Mayalimousine" erfolgen. Letzteres ist eine Art Dreirad. Zwei Personen nehmen auf einer Sitzbank Platz und werden von einer dritten Person auf einem davor fest befestigten Fahrrad gefahren. Der Weg zu Fuß ist der interessanteste, wenngleich dabei schon einmal die eine oder andere Schlange oder Tarantel den Weg kreuzen mag. Er führt vorbei an zahlreichen, bisher kaum freigelegten Ausgrabungsstätten mitten im Urwald und lässt nur ansatzweise erahnen, dass die Grundfläche dieses ganzen Areals Chichen Itza locker in die Tasche steckt.

Die große Pyramide ist mit 42 Metern gegenüber der mit 24 Metern in Chichen Itza deutlich höher, allerdings nicht so gut erhalten. Eine Besteigung lohnt sich trotz der sicheren Muskelkatergarantie in dem Fall. Der Aufstieg erscheint trotz der Höhendifferenz und der schwierigen Stufen noch recht einfach. Der Abstieg ist definitiv anspruchsvoller und nicht geeignet, wenn man Höhenangst hat. Lediglich ein Seil in Fußhöhe stellt eine Hilfe dar, an der man sich festhalten kann... Doch die Mühe lohnt sich: Der Rundblick über den Dschungel ist einfach traumhaft.

Es versteht sich von selbst, dass festes Schuhwerk ist nicht nur hier, sondern für die gesamte Tour dringend ratsam ist. Badelatschen und Sandalen sind garantiert fehl am Platz. Trekkingstiefel, wie sie der Guide trug, sind optimal, doch wird sicher nicht jeder solche Schuhe mit in die Tropen nehmen. Vernünftige Turnschuhe tun es auch (noch).

Pac Chen

Unsere Tour führt uns von Coba weiter und tiefer in den Dschungel hinein zu einem kleinen Mayadorf namens Pac Chen. Während das Mittagessen zubereitet wird, beginnt unser Abenteuer ganz sanft mit einer Kanufahrt auf einem schönen See und einer kleinen Ruhepause in Hängematten.

Ab in den Dschungel

Anschließend geht es in den Dschungel. Während der Dschungelpfad zur großen Pyramide in Coba eher an einen breiten Waldweg erinnerte, so ist hier von einem Weg nichts mehr zu sehen.

Allenfalls ein schmaler Trampelpfad ist es, der uns den Weg über Naturboden, Kalkstein und Baumwurzeln weißt. Unser Guide mahnt uns, immer dicht zusammenzubleiben. Irgendwann endet der Weg. Wir stehen vor einem Abgrund. Unter uns, zwanzig Meter tiefer, eine große Cenote. Vor uns eine Felskante. Hier geht es nicht weiter. Die einzige Möglichkeit besteht darin, entweder umzukehren oder den Weg über den Abgrund zu wählen. Über uns ist ein Stahlseil gespannt, welches mit einer Länge von rund 100 Metern quer über den See verläuft.

Jeder der Teilnehmer bekommt einen Sitzgurt, die Guides prüfen den sicheren Sitz und schon geht es nacheinander über den See: Auf den Stahlseil ist ein Schlitten befestigt, an dessen Ende ein weiteres Seil hängt. Dieses wird mit einem Karabiner am Sitzgurt befestigt. Danach hält man sich nur noch an diesem Seil fest und macht einen Schritt vorwärts über den Abgrund.

Am anderen Ende angekommen möchte man nur noch so schnell wie möglich einen Weg um den See finden, um dieses Abenteuer zu wiederholen. Dort unsere Guides weisen uns bereits den Weg zur nächsten Station.

Badespaß

Es geht weiter durch den Dschungel. Die schwül-warme Luft sorgt dafür, dass wir alle kräftig durchgeschwitzt sind. Eine Abkühlung wäre nicht verkehrt. Und so steht als nächstes Ziel eine weitere Cenote an, in der wir baden können.

Im Gegensatz zu der großen Cenote, über die wir eben am Seil schwebten, hat diese nur eine Öffnung von vielleicht zwei mal drei Metern. Dummerweise liegt die Wasseroberfläche in einer großen Höhle gut fünfzehn Meter unter uns. Am Rande der Öffnung sind Leitern angebracht. Diese Leitern haben jedoch nur drei oder vier Sprossen, erheblich zu wenig, um nach unten ins Wasser zu kommen. Und so werden wir kurz in die Verwendung eines Abseilachters eingewiesen. Man hilft uns, diese Ausrüstung an unserem Sitzgurt zu befestigen. Der nächste Schritt ist ein Schritt rückwärts, rückwärts in das kleine Loch und danach ab in die Tiefe.

Unten angekommen wartet bereits ein Guide auf uns und platziert alle schwimmfaulen Gäste in einem großen Reifen, auf dem wir gemütlich durch die nur spärlich beleuchtete Höhle paddeln können.

Um diese Höhle wieder zu verlassen, stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Der Lift hätten wir den doch vorher gesehen...) und die Treppe (ach, die gibt es auch?).

Die Treppe entpuppt sich als fünfzehn Meter lange Strickleiter, die zu einer anderen Öffnung der Höhle wenige Meter neben unserem Einstieg führt. Diesen Weg zu wählen, erfordert durchaus eine gewisse Kraft. Der Lift ist die Alternative. Hierbei handelt es sich um zwei Seile, die über einen Flaschenzug durch unseren Einstieg hinabgelassen werden. Die Seile werden an unserem Gurt befestigt und zwei Mann ziehen am oberen Ende kräftig...

Am Ende der Tour wartet auf alle ein wohlverdienter Tequila. Wer die Treppe gewählt hat, hat sich einen doppelten erarbeitet. Es ist sicher die ungewöhnlichste Tour, die ich bisher mitgemacht habe. Ein Erlebnis, dass geradezu nach Wiederholung schreit und eine spannende Erinnerung bleibt.