Chikin-Ha. Mayan-Zip-Line, 2005

Canopy, so nennt man das "Fliegen" über die Dächer eines Waldes. Mit einem Klettergurt gesichert wird eine Rolle an einem langen Stahlseil eingehakt und es geht von einer Plattform zur nächsten durch den Wald. Dabei ist sicher eine Menge Mut gefragt, der jedoch durch eine ganz ungewöhnliche Perspektive auf die Natur belohnt wird.

Chikin-Ha

Diese Halbtagestour führte nach Chikin-Ha. Wenige Kilometer außerhalb von Playa del Carmen auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko beginnt der Regenwald. Hier, mitten in den Tropendschungel führt uns der gut klimatisierte Minivan von Alltournative. Gleich jedoch tauschen wir Komfort gegen Abenteuer.

Am Ziel angekommen, erhalten wir die Sicherheitsausrüstung - Klettergurt, Helm und "Bremse". Eine Bremse? Diese "Bremse" besteht nur aus einem hakenförmig gewachsenen dicken Ast. Bald werden wir sehen, wie das funktionieren kann.

Abschnitt Nr. 1: Canopy

Der erste Abschnitt dieser Tour umfasst drei Mutproben - unterschiedlich lange Canopy-Strecken.

Die erste Strecke ist harmlos: Eine Plattform, leicht oberhalb einer offenen Cenote, ist der Ausgangspunkt. Der Sicherungskarabiner klingt sich in das Führungsseil ein. Ein Schritt nach vorne. Schon beginnt der Schwebespaß.

Treppen und ein Dschungelpfad führen nun weiter hoch zum Ausgangspunkt der zweiten Teilstrecke, die teils quer durch Wald und teils über eine offene Cenote verläuft. Der Startpunkt ist ein Klippenvorsprung. Wieder wird die Sicherung befestigt. Wieder ist ein Schritt nach vorne über die Klippe zu machen. Diesmal ist das Gefälle deutlich höher, die Fahrt schneller... Die Bremse wird benötigt. Der hakenförmige Ast wird hinter der Laufrolle über das Seil gehängt. Zieht man nun kräftig an dem Ast, soll dies wie eine Bremse wirken. Hoffentlich. Was in der Theorie merkwürdig klingt und schwer zu beschreiben ist, funktioniert ist der Praxis gut - und ist unbedingt nötig.

Und wieder führt uns ein schmaler Pfad durch den Dschungel. Wir gelangen zu einem rund 20 Meter hohen Aussichtsturm. Mehrere steile und schmale Treppen führen über einige Plattformen hinauf. Am Klettergurt gesichert wird der Aufstieg gewagt. Die Aussicht von oben über den Regenwald ist grandios. Man meint fast, endlos weit nur dichtes Grün zu sehen. Irgendwann hat man sicher genug gesehen und es geht wieder herunter. Wie? Natürlich an der Seilrutsche. Also: Sicherungskarabiner einklinken, zur Startplattform gehen, Bremse bereithalten. Und nun bitte besonders weiche Knie bekommen. Plötzlich erscheinen die zwanzig Meter mindestens doppelt so hoch. Das Seil, dass zum Ziel am Boden führt, wirkt auf einmal endlos lang. Unser Guide hat dann auch eine Lösung für die richtige Vorgehensweise: "Ihr könnt ruhig schreien!". Na dann. Wenn es so einfach wäre.

Hingucken? Nicht hingucken? Zurück geht nicht. Natürlich hinschauen. Die Aussicht ist schließlich grandios. Also, nicht länger zögern und einen beherzten Schritt nach vorne machen. Flieeeeegen! Auf der anderen Seite sind Stimmen zu hören. Nein, laute Schreie: "Brake!" Bremsen, anhalten. Ja, wie denn? Ach ja, kräftig am Ast ziehen. Klappt ja. Die Landung auf der Zielplattform erfolgt erstaunlich sanft.

Abschnitt Nr. 2: Abkühlung

Der zweite Abschnitt der Tour ist weniger abenteuerlich, verspricht aber die nun dringend nötige Erfrischung.

Zwei völlig unterschiedliche Cenoten werden schwimmend und schnorchelnd besucht: Die erste hat den Charakter einer Grote. Über eine Treppe geht es zu einem Steg. Im Grottenbereich sind Felsen und Tropfsteingebilde zu beobachten. Das glasklare Wasser war eine willkommene Abkühlung. Die zweite Cenote ist offen, eigentlich vergleichbar mit einem großen See. Wäre da nicht irgendwo der Zugang zum Tunnelsystem der unterirdischen Flüsse, aus dem sie gespeist wird. Diese Cenote ist jene, über die die erste Seilbahn führte.

Abenteuer, dann Erfrischung, darf es auch noch etwas Kultur sein?

Abschnitt Nr. 3: Zeremonien

Die dritte Station führt in eine trockene Cenote. Hier ist lediglich etwas Wasser am Rande der Höhle vorhanden, ansonsten liegen die Felsen, die den Boden bilden, komplett im Trockenen. Hier nehmen wir Platz und beobachten einen Maya, der ein altes Ritual demonstriert.

Abschnitt Nr. 4: Durch den Dschungel

Der Halbtagesausflug nähere sich dem dem Ende. Der Minivan, der den Transfer zum Hotel übernehmen würde, wartet an der Hauptstraße.

Für den Weg durch den Dschungel zum Parkplatz stehen für uns geländegängige Fahrräder bereit. Strampelnd geht in es Richtung Fahrzeug. Als sich der Dschungel lichtet, macht der Guide noch einen Abstecher und führt vorbei an verschiedenen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Zur Abrundung erfahren wir hier einiges über die Anbaumethoden und was auf der nur dünnen Bodenschicht bis zum Kalkgestein möglich ist.

Eine spannende Verbindung von Kultur, Abenteuer und etwas Wissensvermittlung geht nach einem halben Tag zu Ende. Auch diese Tour - beim Veranstalter direkt über das Internet gebucht und somit günstiger als über die Agenturen direkt vor Ort - war ein voller Genuss.