Dressel Divers, Puerto Aventura (2010)

 

Ein Bericht aus Oktober 2010.

Endlich wieder zum Tauchen in den Urlaub. Ein Jahr ist vergangen, als Ziel hatte ich mir diesmal "Löchertauchen in Mexiko" vorgemerkt. Die Wahl fiel auf das Barcelo Maya Beach Resort, etwas außerhalb von Puerto Aventura und gut 70 Minuten entlang der Fernstraße 307 von Cancun entfernt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan gelegen. Die Tauchbasis im dortigen, aus fünf Hotels mit mehr als 2700 Zimmern bestehenden, sehr weitläufigen Komplex wird von der international operierenden, aus Spanien stammenden Kette Dressel Divers International betrieben.

Erste Kontaktaufnahme

Die Website der Dressel Divers International ist mehrsprachig, darunter auch in Deutsch, aufgebaut. Sie ist mit einer Ausnahme sehr informativ. So gefallen insbesondere die umfangreichen Tauchplatzskizzen. Was aber gar nicht zu finden ist, sind Preisinformationen. Hier führt der Weg nur über das Kontaktformular, die Angabe von Hotel, Reisezeitraum, Name und Mailadresse, um mehr zu erfahren. Das wäre so sicher nicht nötig und dient offenkundig der Datensammlung.

Als Antwort auf meine Anfrage gibt es eine umfangreiche Mail mit einer Preisliste, einer genauen Beschreibung aller Angebote und Pakete sowie Zusatzaktivitäten. Die Mail ist komplett in gutem Deutsch verfasst. Sie stammt offenbar aus einer Textkonverse, denn die zusätzlich im Kontaktformular gestellte Frage wird nicht beantwortet. Vielleicht wurde sie auch nur "übersehen". Allerdings unterstreicht dies, dass es keinen Grund gibt, diese Information nicht gleich auf der Website bereitzustellen. Alle Preisangaben erfolgen in US$, wobei ein Einzeltauchgang vom Boot im September 2010 mit 55 US$ zzgl. ggf. erforderlicher Ausrüstung kostet. Das Preisniveau erschreckt zunächst, ist aber typisch für die Gegend.

Buchung

Ebenfalls typisch für die Gegend: Ohne Vorkasse läuft nichts. So habe ich es bisher bei allen Basen dort erlebt. Dabei ist es absolut sinnvoll, die Tauchaktivitäten vorauszuplanen und ein passendes Paket zu buchen. Dies reduziert den Preis pro Tauchgang ganz erheblich. Auf die Vor-Ort-Paketpreise gibt es zudem bei Buchung von Deutschland aus noch einen deutlichen Rabatt und die Garantie, das auch weitere zusätzliche Tauchgänge außerhalb des Pakets zum gleichen vergünstigten Preis abgerechnet werden. Im Gegensatz zu Scuba Caribe, über die ich hier schon aus vergangenen Aufenthalten in der Karibik berichtet habe, ist dies kundenfreundlicher. Jener Mitbewerber rechnet am Ende eines Pakets wieder mit dem vollen Einzelpreis weiter.

Übrigens: Auch der zugesagte Vor-Ort-Preis für Zusatztauchgänge ließ sich in Mexiko noch etwas drücken...

Warum ich das so ausführlich schreibe? Nun, auf der anderen Seite kannte man keinen Skrupel, Gästen ohne vorgebuchtes Paket jeden Tauchgang einzeln zum Vollpreis zu berechnen, wenn diese nicht genau wussten, was sie wollten. Erstattungen waren nämlich ausgeschlossen. Die hohen Einzelpreise waren so allerdings auch keine Fantasiepreise, um hohe Lockrabatte anzustellen. Es lag letztlich daran, wie geschickt der Kunde agiert hat. Die Abwicklung der Buchung eines Pakets über Kreditkarte lief problemlos. Der Voucher wurde innerhalb weniger Stunden per Mail zugesandt.

Check-In

Endlich vor Ort angekommen. Hier zeigt sich, was "International" bedeutet: Ein Gast aus Deutschland bei einer spanischen Kette in Mexiko trifft auf eine italienische Mitarbeiterin. Dabei erfolgt der Check-In dann in englisch, was auch die vorherrschende Basissprache ist. Andere Sprachen werden nicht oder nur sehr wenig gesprochen. Allerdings sind alle Anmeldeunterlagen in Deutsch verfügbar. Meine Reservierung liegt tatsächlich griffbereit vor. Ich merke, dass ich erwartet werde. So sieht professionelle Kundenbetreuung aus. Ein Fragebogen mit statistischen Daten (Brevet, Anzahl Tauchgänge...), eine medizinische Selbstauskunft (PADI.-Formular) anstelle der obligatorischen Attests und eine Haftungsausschlusserklärung sind die üblichen Standards, die neben einem Blick ins Logbuch und zu den Brevets zu absolvieren sind.

Lokale Tauchgänge

Genug der Vorgeschichte, ab zu Wasser: Möglich werden Tauchgänge direkt vom Strand aus angeboten. Direkt vor dem Hotel gibt es einen Steg, an dem bis zu zwei im Einsatz befindliche Tauchboote starten können. Die Boote sind zwar einfach ausgestattet (z.B. keine Bordtoilette), aber in einem guten Zustand und leistungsstark (2x 75PS Aussenbordmotor). Die lokalen Tauchgänge gibt es dann in den üblichen zwei Varianten: Als Einzeltauchgang und als sog. Double-Tank-Dive.

Die Ausfahrt für einen Einzeltauchgang dauert inkl. Tauchgang rund zwei Stunden, da alle Plätze in der Nähe liegen. Vor der Abfahrt wird die komplette Tauchausrüstung vorbereitet und gecheckt, dann geht es vollausgerüstet gleich ins Boot, von wo aus mit einer Rolle von der Bordswand gestartet wird.

Bei Double-Tank-Dives wird eine zweite Flasche mitgenommen. Hier handelt es sich um Halbtagestouren: Nach dem ersten Tauchgang wird die Flasche gewechselt, das Boot versetzt und nach einer recht kurzen Oberflächenpause geht es dann weiter.

Zu den einzelnen Zielen gibt es detaillierte Zeitpläne, wann an welchem Tag in der Woche welches Ziel angeboten wird. In der Praxis werden diese Ziele je nach Andrang, Bedingungen auf dem Meer und Besucherwünschen allerdings flexibel gehandhabt.

Das Briefing für die Tauchgänge findet auf der Basis statt. Hier werden hauptsächlich täglich die gleichen Sicherheitsregeln besprochen, dann gibt es ein paar (wenige) Informationen zum Tauchplatz. Wesentlicher Bestandteil des Briefings ist auch immer der Hinweis, dass die Tauchgänge "one-way" stattfinden. Die Tauchboote setzen die Taucher ab, es wird bei den meisten Tauchplätzen in eine Richtung entlang der Riffkante getaucht und zum Ende der vereinbarten Zeit (ca. 45-50 Minuten) oder früher, falls jemand am vereinbarten Luftlimit ankommt, aufgetaucht. Dabei gehört ein Sicherheitsstopp immer dazu. Der Guide setzt eine Boje, die Tauchboote sammeln die Gäste anschließend wieder ein. Das bedingt auch, dass die Gruppe immer zusammen taucht und individuelle Tauchgänge nicht stattfinden.

Positiv: Die Tauchbasis ist bemüht, Kursbetrieb, Schnuppertaucher und ausgebildete Taucher zu trennen und unterschiedlich geeignete Plätze mit mehreren Booten anzufahren oder zumindest mehrere Kleingruppen mit mehreren Guides zu bilden.

Cozumel

Tauchen direkt am zweitgrößten Barriereriff der Welt - dem langen Riffverlauf, der direkt an der Küste Yucatans, genauer an der Insel Cozumel, vorbeiläuft und in Belize beginnt. Nahezu jede Tauchbasis vor Ort bietet dorthin meist recht teure Tauchgänge an. Dazu gehört der Transfer zum Hafen in Playa del Carmen, die Überfahrt in der Hochgeschwindigkeitsfähre, zwei Tauchgänge vor Ort und die Rückfahrt. Da ich 2003 und 2005 einige der Tauchplätze gesehen hatte und im Oktober 2010 einige Taucher berichteten, das die Sicht zur Zeit nicht gerade besonders sei, entschloss ich mich, die eigentlich im Tauchpaket enthaltene Cozumel-Tagestour gegen eine Cenoten-Tour zu tauschen.

Cenoten

Der Boden der Halbinsel Yucatan besteht überwiegend aus Kalkstein. Regen sickert dort schnell durch und hat im Laufe unzähliger Jahrtausende unterirdische Flüsse, Kanäle und Höhlen geschaffen. Diese Höhlensysteme haben, meist tief im Dschungel verborgen, häufig Öffnungen. Man bezeichnet diese Zugänge zum unterirdischen Höhlenlabyrinth als Cenoten.

In den Cenoten erwarten den Taucher unbeschreibliche Verhältnisse: Süßwasser mit 23-25 Grad Wassertemperatur und Sichtweiten (natürlich im Schein der Lampe oder im direkten Bereich der Öffnungen) von mehr als 50 Metern. In einem separaten Beitrag beschreibe ich die Tauchplätze, die im Jahr 2010 auf der Liste standen, ausführlicher.

Fazit

Organisation und Tauchgangsdurchführung, aber auch der Umgang mit den Gästen, wirkten auf mich besser als bei Scuba Caribe. Nun, der Vergleich ist nicht einfach, da die Eindrücke vom anderen Anbieter inzwischen auch fünf Jahre alt sind. Aber es bleibt doch der Gedanke hängen - hier würde ich wieder hinfliegen. Das setzt natürlich voraus, dass man bereit ist, sich mit bestimmten Eigenarten des Tauchens, wie es im amerikanisch geprägten Raum üblich ist, arrangieren kann. Und das ist nun mal anders, als auf vielen europäischen Tauchbasen oder ägyptischen Großbetrieben. Spätestens beim Tauchgang in den Cenoten bleibt aber ein Eindruck: Faszinierendere Tauchplätze gibt es wohl kaum.